Das Wichtigste in Kürze
Eine Sondertilgung ist eine außerplanmäßige Zahlung zusätzlich zu den monatlichen Raten. Sie senkt die Restschuld sofort, spart Zinskosten und macht Sie schneller schuldenfrei. Bei Ratenkrediten dürfen Kreditnehmer seit 2010 jederzeit sondertilgen, bei der Baufinanzierung gilt der im Darlehensvertrag vereinbarte Rahmen: Üblich ist eine jährliche Sondertilgung von fünf bis zehn Prozent der Darlehenssumme.
Was ist eine Sondertilgung?
Eine Sondertilgung ist jede Zahlung an den Kreditgeber, die über die vereinbarte Monatsrate hinausgeht. Sie fließt in voller Höhe in die Tilgung, also in die Rückzahlung der eigentlichen Kreditsumme. Weil Zinsen nur auf die verbleibende Restschuld berechnet werden, wirkt jeder Euro doppelt: Die Laufzeit des Kredits verkürzt sich, und die gesamten Zinskosten sinken.
Typische Anlässe, um eine Sonderzahlung zu leisten, sind eine Bonuszahlung vom Arbeitgeber, Weihnachtsgeld, eine Steuererstattung oder eine Erbschaft. Statt das Geld auf dem Girokonto liegen zu lassen, nutzen viele Kreditnehmer die Möglichkeit, ihr Darlehen außerplanmäßig zu tilgen.
Wie funktioniert die Sondertilgung beim Kredit?
Beim Annuitätendarlehen besteht jede der monatlichen Raten aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil. Die Sondertilgung umgeht diesen Mechanismus: Sie senkt die Restschuld schneller, weil sie direkt und vollständig in die Tilgung fließt. Je nachdem, was im Kreditvertrag steht, hat das zwei mögliche Effekte:
- Kürzere Laufzeit: Die Rate bleibt gleich, der Kredit ist Monate oder Jahre früher zurückgezahlt. Diese Variante spart die meisten Zinskosten und macht Sie am schnellsten schuldenfrei.
- Niedrigere Rate: Die Laufzeit bleibt, der Kreditgeber berechnet die monatlichen Raten neu. Die Belastung sinkt, die Ersparnis fällt kleiner aus.
Bei den meisten Banken verkürzen Sondertilgungen automatisch die Laufzeit. Wer lieber die Rate senken möchte, sollte das aktiv mit seiner Bank klären.
Welche Höhe ist bei Sondertilgungen üblich?
Beim Ratenkredit gibt es keine Grenze für die Höhe der Sondertilgung: Für alle seit Juni 2010 geschlossenen Verträge gilt ein gesetzliches Recht auf vorzeitige Rückzahlung, jederzeit, ohne feste Termine und in beliebiger Höhe, bis hin zur vollständigen Ablösung des Kredits.
Bei der Baufinanzierung sieht es anders aus. Während der Zinsbindung entscheidet allein der Darlehensvertrag darüber, ob und in welcher Höhe Kreditnehmer Sondertilgungen leisten dürfen. Üblich ist eine jährliche Sondertilgung von fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme, kostenfrei und einmal pro Jahr. Höhere oder flexiblere Rechte lassen sich vereinbaren, kosten aber oft einen Zinsaufschlag von 0,05 bis 0,1 Prozentpunkten. Ob sich eine Sondertilgung mit Zinsaufschlag lohnt, hängt davon ab, wie realistisch Sie die Möglichkeit tatsächlich nutzen.
Was kostet es? Die Vorfälligkeitsentschädigung
Beim Ratenkredit darf der Kreditgeber für die vorzeitige Rückzahlung eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen: höchstens 1 Prozent der außerplanmäßig getilgten Summe, bei einer Restlaufzeit unter zwölf Monaten nur 0,5 Prozent. Viele Banken verzichten freiwillig darauf und werben mit kostenlosen Sondertilgungen; ein Blick in den Kreditvertrag lohnt sich vor jeder Zahlung.
Bei der Baufinanzierung sind die vertraglich eingeräumten Sondertilgungen kostenfrei. Wer darüber hinaus tilgen oder das Darlehen komplett ablösen will, zahlt eine deutlich höhere Vorfälligkeitsentschädigung, die den entgangenen Zinsgewinn der Bank bis zum Ende der Zinsbindung ausgleicht.
Wie viel spart eine Sondertilgung? Ein Rechenbeispiel
Angenommen, Sie zahlen einen Kredit über 20.000 Euro mit 6 Prozent effektivem Jahreszins und 60 Monaten Laufzeit ab. Die monatliche Rate liegt bei rund 385 Euro, die gesamten Zinskosten bei etwa 3.100 Euro. Nach einem Jahr leisten Sie eine Sondertilgung in Höhe von 2.000 Euro, die Rate bleibt unverändert.
Das Ergebnis: Die Restschuld sinkt von rund 16.450 auf 14.450 Euro, der Kredit ist etwa ein halbes Jahr früher zurückgezahlt, und Sie sparen rund 250 Euro Zinskosten. Die Faustregel: Je früher im Kreditverlauf Sie sondertilgen und je höher der Zinssatz, desto mehr sparen Sie. In der Anfangsphase des Darlehens ist der Zinsanteil der Rate am höchsten, deshalb wirken frühe Sonderzahlungen am stärksten.
Wann ist eine Sondertilgung sinnvoll?
Sinnvoll ist die außerplanmäßige Zahlung immer dann, wenn der Kreditzins höher ist als der Zins, den das Geld anderswo sicher erwirtschaften würde. Ein Ratenkredit mit 7 Prozent Effektivzins schlägt jedes Tagesgeldkonto. Drei Dinge sollten Kreditnehmer vorher prüfen:
- Notgroschen zuerst: Behalten Sie eine Reserve von zwei bis drei Nettomonatsgehältern, bevor Sie Sondertilgungen leisten. Wer danach eine defekte Waschmaschine per Dispokredit finanzieren muss, zahlt drauf.
- Teuerste Schulden zuerst: Läuft parallel ein Dispo mit zweistelligem Zinssatz, gehört das Geld zuerst dorthin.
- Kosten prüfen: Fällt eine Vorfälligkeitsentschädigung an, rechnen Sie nach. Meist bleibt die Ersparnis trotz der Gebühr deutlich positiv. Wie viel eine jährliche Sondertilgung bei Ihrem Kredit spart, zeigt unser Sondertilgungs-Rechner in Sekunden.
Sondertilgung oder sparen: Was lohnt sich mehr?
Die Antwort liefert der Zinsvergleich. Kostet der Kredit 6,5 Prozent und bringt das Festgeld 3 Prozent, lohnt die Sondertilgung, und zwar steuerfrei: Gesparte Kreditzinsen muss niemand versteuern, Kapitalerträge dagegen schon. Nur wenn eine Geldanlage nach Steuern verlässlich mehr abwirft als der Kreditzins, ist Sparen die bessere Wahl. Bei laufenden Konsumkrediten ist das selten der Fall.
Anders bei einer Baufinanzierung mit niedrigem Altvertragszins von 1 bis 2 Prozent: Hier kann die Rechnung zugunsten der Geldanlage ausgehen. Es lohnt sich, mögliche Sondertilgungen nicht automatisch auszuschöpfen, sondern beide Varianten durchzurechnen, besonders wenn das Ende der Zinsbindung und damit die Anschlussfinanzierung näher rückt: Jeder sondergetilgte Euro senkt die Restschuld, die Sie danach zu neuen Konditionen finanzieren müssen.
Alternativen zur Sondertilgung
Wenn der Kreditvertrag keine oder nur teure Sondertilgungen erlaubt, gibt es drei Auswege: Beim Ratenkredit kommt die vollständige vorzeitige Ablösung infrage, oft kombiniert mit einer Umschuldung in ein günstigeres Darlehen. Bei Baufinanzierungen lässt sich nach zehn Jahren jeder Vertrag mit sechsmonatiger Frist kündigen, das regelt § 489 BGB. Und wer dauerhaft schneller tilgen möchte, kann bei vielen Banken den Tilgungssatz während der Laufzeit anpassen, meist zwei- bis dreimal kostenlos.


