Das Wichtigste zur Sondertilgung in Kürze
- Eine Sondertilgung ist eine Extra-Zahlung zusätzlich zur monatlichen Rate – sie senkt die Restschuld sofort und spart den Zins auf den getilgten Betrag über die gesamte Restlaufzeit.
- Bei vielen Banken sind bis zu 5 Prozent der Darlehenssumme pro Jahr kostenlos als Sondertilgung möglich – oft schon im Standardvertrag.
- Die Sondertilgung lohnt sich am meisten in den ersten Jahren der Baufinanzierung, wenn der Zinsanteil der Rate am höchsten ist.
- Faustregel: Sondertilgen lohnt, wenn der Kreditzins über dem Zins liegt, den sichere Geldanlagen bringen.
Was ist eine Sondertilgung beim Immobilienkredit?
Eine Sondertilgung ist jede Tilgungsleistung außerhalb des vereinbarten Ratenplans Ihres Darlehens: Sie haben die Möglichkeit, der Bank einen zusätzlichen Betrag zu überweisen, der vollständig in die Tilgung fließt und die Restschuld Ihres Immobilienkredits sofort senkt. Anders als bei der normalen Rate geht kein Cent davon in Zinsen – die Sondertilgung wirkt zu 100 Prozent gegen die Schuld.
Der Effekt ist doppelt: Erstens sinkt die Restschuld, auf die künftig Zinsen berechnet werden – Sie sparen also den Kreditzins auf den sondergetilgten Betrag über die gesamte Restlaufzeit. Zweitens verkürzt sich die Laufzeit der Finanzierung um viele Monate oder Jahre, weil das Darlehen schneller abgetragen ist. Gerade bei den hohen Summen und langen Laufzeiten einer Baufinanzierung summiert sich das zu vier- bis fünfstelligen Beträgen.
Wie viel bringt die Sondertilgung? Ein Rechenbeispiel
Angenommen, Sie haben einen Immobilienkredit über 300.000 Euro zu 3,8 Prozent Sollzins mit 2 Prozent anfänglicher Tilgung. Die Monatsrate liegt bei 1.450 Euro. Nun leisten Sie ab dem ersten Jahr eine jährliche Sondertilgung von 5.000 Euro:
- Zinsersparnis: über die Gesamtlaufzeit mehrere zehntausend Euro, weil jede Sondertilgung den Zins auf den getilgten Betrag für alle Folgejahre einspart.
- Laufzeitverkürzung: Statt in gut 30 Jahren sind Sie viele Jahre früher schuldenfrei.
- Kleinere Restschuld: Die Restschuld am Ende der Zinsbindung fällt deutlich kleiner aus – das entschärft das Zinsrisiko der Anschlussfinanzierung, weil ein höherer Zinssatz dann auf weniger Darlehen wirkt.
Wie stark der Effekt bei Ihren Zahlen ausfällt, rechnen Sie in einer Minute mit unserem Sondertilgungs-Rechner aus – einfach Restschuld, Zins, Rate und geplante Sondertilgung eintragen.
Wann lohnt sich die Sondertilgung – und wann nicht?
Ist die Sondertilgung sinnvoll? Die Grundregel ist einfach: Eine Sondertilgung ist sinnvoll und lohnt sich immer dann, wenn der Zins Ihres Immobilienkredits höher ist als der Zins, den Ihr Geld anderswo sicher verdienen könnte. Bei einem Kreditzins von 3,8 Prozent und Tagesgeldzinsen um 2,5 Prozent gewinnt die Sondertilgung klar – die „Rendite“ der Extra-Zahlung entspricht dem gesparten Kreditzins, und zwar garantiert und steuerfrei.
Es gibt aber Situationen, in denen Sonderzahlungen nicht sinnvoll sind und Sie das Geld besser anders einsetzen:
- Kein Notgroschen: Bevor Sie sondertilgen, sollten drei bis sechs Monatsausgaben als Rücklage liegen. Geld in der Immobilie ist gebunden – zurückholen geht nicht.
- Teurere Schulden: Läuft nebenher ein Ratenkredit oder Dispo mit höherem Zins, tilgen Sie zuerst dort.
- Sehr niedriger Kreditzins: Wer noch einen Altvertrag mit 1 Prozent Zins hat, fährt mit sicherer Geldanlage oberhalb dieses Zinses rechnerisch besser.
Zu Beginn der Kreditlaufzeit wirkt die Sondertilgung am stärksten, weil der Zinsanteil der Rate dann am höchsten ist. Aber auch später lohnt sie sich fast immer – nur eben etwas weniger.
Sondertilgungsrecht: Darauf kommt es im Vertrag an
Ob und in welcher Höhe Sonderzahlungen möglich sind, regelt das Sondertilgungsrecht in Ihrem Darlehensvertrag. Wichtig zu wissen: Innerhalb des vereinbarten Kontingents dürfen Banken für Sondertilgungen keine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen – erst wer darüber hinaus außerplanmäßig zurückzahlt, muss mit einer Vorfälligkeitsentschädigung für den Zinsschaden der Bank rechnen. Der Marktstandard hat sich in den letzten Jahren zu Ihren Gunsten entwickelt:
- 5 Prozent pro Jahr kostenlos: Bei vielen Banken gehört ein jährliches Sondertilgungsrecht von bis zu 5 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme zum Standard – ohne Zinsaufschlag.
- Höhere Kontingente kosten Aufschlag: Wer 10 Prozent jährlich oder unbegrenzte Sondertilgungen vereinbaren will, zahlt dafür meist 0,05 bis 0,2 Prozentpunkte mehr Zins. Das lohnt nur, wenn Sie die Option realistisch nutzen werden – etwa bei erwarteten Bonuszahlungen, einer Erbschaft oder auslaufenden Geldanlagen.
- Nicht genutzt verfällt: Das jährliche Kontingent lässt sich in der Regel nicht ins Folgejahr übertragen. Planen Sie die Zahlung deshalb in den Jahresbudgets ein und prüfen Sie einige Monate vor Jahresende, ob Sie das Kontingent noch leisten können.
Unser Rat: Vereinbaren Sie das kostenlose 5-Prozent-Recht immer – es kostet nichts und erhält Ihnen die Flexibilität. Einen Zinsaufschlag für mehr sollten Sie nur akzeptieren, wenn regelmäßig größere Beträge absehbar sind. Ein Immobilienkredit mit Sondertilgung ist im Zweifel wertvoller als ein minimal günstigerer ohne.
Sondertilgung vs. höhere Tilgungsrate: Was ist besser?
Beides beschleunigt die Rückzahlung – aber unterschiedlich verbindlich. Die höhere Tilgungsrate (etwa 3 statt 2 Prozent anfänglich) wirkt automatisch jeden Monat, verpflichtet Sie aber dauerhaft zur höheren Rate. Die Sondertilgung ist freiwillig: Sie zahlen nur, wenn Geld übrig ist, und bleiben flexibel, wenn das Jahr teurer wird als geplant.
Die beste Strategie ist oft die Kombination: eine solide Tilgungsrate von mindestens 2 Prozent als Fundament, dazu die Möglichkeit kostenloser Sonderzahlungen für Bonus, Steuererstattung oder Weihnachtsgeld – so leisten Sie Extra-Tilgung genau dann, wenn es sinnvoll ist. Manche Verträge bieten zusätzlich einen Tilgungssatzwechsel an, mit dem Sie die Rate während der Laufzeit an Ihr Leben anpassen können – ein sinnvolles Extra für alle, deren Einkommen schwankt.
Häufige Fragen zur Sondertilgung beim Immobilienkredit
Wie viel Sondertilgung ist bei der Baufinanzierung üblich?
Standard sind bis zu 5 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr, bei vielen Banken kostenlos. Höhere Kontingente oder unbegrenzte Sondertilgungen kosten meist einen kleinen Zinsaufschlag.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Sondertilgung?
Je früher, desto besser: Zu Beginn der Laufzeit ist der Zinsanteil der Rate am höchsten, entsprechend groß ist der Spareffekt. Grundsätzlich lohnt die Sondertilgung aber während der gesamten Laufzeit.
Lohnt sich ein Zinsaufschlag für mehr Sondertilgungsrecht?
Nur wenn Sie regelmäßig größere Beträge erwarten (Boni, Erbschaft, fällige Anlagen). Das kostenlose 5-Prozent-Recht sollten Sie immer mitnehmen; bezahlte Extras nur bei realistischem Bedarf.
Sondertilgung oder Geld anlegen – was ist klüger?
Vergleichen Sie den Kreditzins mit dem sicheren Anlagezins: Liegt der Kreditzins höher, gewinnt die Sondertilgung – ihre Ersparnis ist garantiert und steuerfrei. Vorher sollte aber ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben stehen.
Verfällt ungenutztes Sondertilgungsrecht?
In der Regel ja: Das jährliche Kontingent gilt nur für das jeweilige Jahr und lässt sich nicht ansparen oder übertragen. Prüfen Sie die genauen Regelungen in Ihrem Darlehensvertrag.
Senkt die Sondertilgung die Rate oder die Laufzeit?
Standardmäßig die Laufzeit: Die Rate bleibt gleich, der Kredit ist früher abbezahlt. Manche Banken bieten alternativ eine Neuberechnung der Rate an – die Laufzeitverkürzung spart aber meist mehr Zinsen.

