Das Wichtigste in Kürze
- Die Anschlussfinanzierung regelt die Restschuld Ihrer Baufinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung – als Verlängerung bei der eigenen Bank (Prolongation) oder Umschuldung zu einer neuen.
- Nicht einfach unterschreiben: Das Prolongationsangebot der Hausbank ist selten das günstigste – der Vergleich spart bei sechsstelliger Restschuld oft über 10.000 Euro.
- Mit einem Forward-Darlehen sichern Sie die Konditionen bis zu 5 Jahre im Voraus.
- Timing: Spätestens 12 Monate vor Ablauf der Zinsbindungsfrist aktiv werden – je früher der Überblick, desto besser die Verhandlungsposition.
Was ist eine Anschlussfinanzierung?
Bei fast jeder Baufinanzierung endet die Sollzinsbindung, lange bevor das Darlehen getilgt ist: Nach 10 oder 15 Jahren stehen häufig noch 50 bis 70 Prozent der ursprünglichen Summe als Restschuld im Buch. Für diesen Betrag brauchen Sie eine neue Zinsvereinbarung – die Anschlussfinanzierung. Wer sich frühzeitig mit der Anschlussfinanzierung beschäftigt, kann niedrige Zinsen sichern und über die restliche Laufzeit erheblich Zinskosten sparen. Sie ist keine neue Baufinanzierung mit Notar und Objektprüfung, sondern die Weiterfinanzierung des bestehenden Immobiliendarlehens zu neuen Konditionen.
Der entscheidende Punkt: Zum Zeitpunkt der Anschlussfinanzierung sind Sie in einer viel stärkeren Position als beim Erstabschluss. Die Restschuld ist kleiner, der Immobilienwert meist gestiegen, der Beleihungsauslauf entsprechend niedriger – Sie sind für jede Bank ein attraktiver Kunde. Genau deshalb lohnt es sich, diese Stärke auszuspielen statt das erstbeste Angebot zu verlängern.
Prolongation, Umschulden oder Forward: Welche Form der Anschlussfinanzierung passt?
- Prolongation: Die eigene Bank schickt einige Monate vor Ablauf ein Verlängerungsangebot – neuer Zinssatz, gleiche Bank, null Aufwand. Bequem, aber: Die Hausbank kalkuliert mit Ihrer Trägheit; das Angebot liegt oft 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte über dem Markt.
- Umschuldung: Sie wechseln mit der Restschuld zu einer günstigeren Bank. Die Grundschuld wird per Abtretung übertragen – Kostenpunkt wenige hundert Euro, die ein besserer Zins in Monaten wieder hereinholt. Der Wechsel ist deutlich einfacher als sein Ruf: Die Banken wickeln die Übertragung untereinander ab.
- Forward-Darlehen: Die Anschlussfinanzierung mit Vorlauf – Sie sichern die aktuellen Zinsen bis zu 5 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung. Ideal bei steigenden Zinsen oder Planungsbedarf – beim Forward-Darlehen zahlen Sie für die Garantie einen kleinen Aufschlag ab Vertragsabschluss.
Ein vierter Baustein für Planer: Beim Bausparvertrag als Anschlussfinanzierung löst das Bauspardarlehen des zuteilungsreifen Bausparvertrags einen Teil der Restschuld zu garantierten Konditionen ab – als Ergänzung sinnvoll, als Komplettlösung selten optimal. Um die geeignete Anschlussfinanzierung zu finden, lohnt der Blick auf alle vier Wege.
Anschlussfinanzierung-Rechner: monatliche Rate und Kosten berechnen
Die Basis jeder Entscheidung sind Ihre Zahlen: Wie hoch ist die Restschuld am Ablauf der Zinsbindung, welche Rate ergibt sich beim heutigen Zinsniveau, wie lange läuft die Rückzahlung noch? Die Anschlussfinanzierung berechnen Sie mit dem Rechner: Er zeigt die monatliche Rate und die Kosten Ihrer Anschlussfinanzierung – tragen Sie Ihre Restschuld als Darlehensbetrag ein (Kaufpreis-Feld: Immobilienwert, Eigenkapital-Feld: Immobilienwert minus Restschuld):
Baufinanzierungsrechner: Rate & Restschuld berechnen
Kostenlos & anonym- Darlehenssumme
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- Restschuld nach Zinsbindung
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- Beleihungsauslauf
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- Rechnerische Gesamtlaufzeit
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Modellrechnung (Annuitätendarlehen, gleichbleibender Zins, ohne Sondertilgungen). Konditionen nach Zinsbindung sind nicht garantiert.
Tipp für die zweite Runde: Erhöhen Sie die Tilgung. Bei kleinerer Restschuld und gewachsenem Einkommen sind 3 bis 4 Prozent Tilgung oft problemlos tragbar. So ist die Immobilie nach der Anschlussfinanzierung tatsächlich abbezahlt statt ein drittes Mal verlängert.
Die besten Konditionen für Ihre Anschlussfinanzierung: der Fahrplan
- 36 Monate (3 Jahre) vor Ende der Zinsbindung: Die aktuelle Zinsentwicklung im Blick behalten, bei attraktivem Zinsniveau lohnt es schon jetzt, per Forward-Darlehen die Anschlussfinanzierung zu günstigeren Konditionen zu sichern.
- 12 bis 18 Monate vor Ende der Zinsbindungsfrist: Restschuld beim Kreditgeber erfragen, Marktüberblick verschaffen, erste Angebote für die Konditionen der Anschlussfinanzierung einholen – ab jetzt sind auch aufschlagsfreie Forward-Darlehen verfügbar. Diese Planung Ihrer Anschlussfinanzierung kostet einen Nachmittag und spart Tausende.
- 6 Monate vorher: Das Prolongationsangebot der Hausbank kommt (gesetzliche Pflicht: spätestens 3 Monate vorher). Nutzen Sie es als Verhandlungsbasis – konfrontieren Sie die Bank mit dem besten externen Angebot; oft bessert sie nach.
- 3 Monate vorher: Entscheiden und die Anschlussfinanzierung abschließen. Bei Umschuldung organisiert die neue Bank die Übertragung; die Kosten für die Grundschuldübertragung liegen bei wenigen hundert Euro. Sie liefern nur aktuelle Einkommensnachweise und den Grundbuchauszug.
- Stichtag: Das neue Darlehen löst die Restschuld ab – die Rückzahlung läuft nahtlos zu besseren Konditionen weiter.
Aktuelle Zinsen im Blick: günstige Anschlussfinanzierung für Ihre Baufinanzierung
- Niedriger Beleihungsauslauf: Restschuld unter 60 Prozent des Immobilienwerts bringt Bestkonditionen – lassen Sie den gestiegenen Immobilienwert in die Berechnung einfließen!
- Sondertilgungen vor dem Stichtag: Wer zum Ende der Zinsbindung Erspartes in die Restschuld steckt, senkt Beleihung und Zinssatz doppelt – günstige Konditionen inklusive.
- Tilgung erhöhen statt Rate senken: Die Versuchung ist groß, die niedrigere Restschuld für eine Mini-Rate zu nutzen – klüger ist der schnellere Weg zur Schuldenfreiheit, denn jedes Jahr Anschlussfinanzierung kostet Zinsen.
- Kürzere Zinsbindung bei kleiner Restschuld: Wer in 8 Jahren fertig sein kann, braucht keine 15 Jahre Bindung mehr – Volltilger-Angebote bringen hier oft Zinsrabatte.
- Vergleichen, verhandeln, wechseln: Die Reihenfolge der Ersparnis – schon die Wechselbereitschaft verbessert das Angebot der Hausbank spürbar.
Sonderfall: Anschlussfinanzierung mit Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren
Läuft Ihre Zinsbindung länger als 10 Jahre? Dann haben Sie einen Joker: Nach § 489 BGB können Sie jedes Immobiliendarlehen 10 Jahre nach Vollauszahlung mit 6 Monaten Frist kostenfrei kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Wenn die Zinsen fallen oder der Marktzins unter Ihrem Vertragszins liegt, holen Sie sich per Umschulden die günstigen Zinsen, ganz gleich, was im Vertrag steht. Die Bank muss mitspielen; prüfen Sie den Stichtag im Darlehensvertrag und kündigen Sie schriftlich. Auch hier gilt: erst neue Finanzierung sichern, dann kündigen.

