Das Wichtigste in Kürze
Der Sollzins ist der reine Zinssatz, den die Bank für das geliehene Geld berechnet, ohne Nebenkosten. Er bestimmt die Höhe der Zinsen in Ihrer monatlichen Rate. Für den Kreditvergleich taugt er nicht: Maßgeblich ist der effektive Jahreszins, der zusätzlich die Kosten des Kredits enthält und deshalb fast immer höher liegt.
Was ist der Sollzins?
Der Begriff Sollzins (früher Nominalzins) bezeichnet den Preis, den Kreditnehmer für die reine Überlassung der Kreditsumme zahlen, angegeben in Prozent pro Jahr. In der Regel spricht die Bank auch von Sollzinsen im Plural, gemeint ist dasselbe. Er ist sozusagen der Nettopreis des Darlehens: keine Gebühren, keine Nebenkosten, nur die Verzinsung des geliehenen Kapitals. Mit dem Sollzins berechnet die Bank den Zinsanteil jeder monatlichen Rate.
Ein anschauliches Bild: Der Sollzins ist die Kaltmiete des Darlehens, der effektive Jahreszins die Warmmiete inklusive aller Kreditkosten, die zusätzlich anfallen. Wer Kreditangebote miteinander vergleichen will, muss auf die Warmmiete schauen.
Gebundener und veränderlicher Sollzins
Der Sollzinssatz kann auf zwei Arten vereinbart werden:
- Gebundener Sollzins: Der Zinssatz steht für eine feste Zeit unverändert fest. Beim Ratenkredit gilt er automatisch für die gesamte Laufzeit, bei der Baufinanzierung für die vereinbarte Zinsbindung von meist 5 bis 30 Jahren. Vorteil: Die Rate bleibt planbar, egal wie sich die Zinsen am Markt entwickeln.
- Veränderlicher (variabler) Sollzins: Variable Zinssätze darf die Bank an die Marktentwicklung anpassen, üblich etwa beim Dispokredit oder Rahmenkredit. Das kann günstiger werden, aber auch teurer; planbar ist es nicht.
Bei den meisten Verbraucherkrediten in Deutschland ist der gebundene Sollzins Standard. Im Kreditvertrag muss die Bank ausweisen, welcher Sollzinssatz gilt und wie lange.
Sollzins und Effektivzins: der entscheidende Unterschied
Der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins liegt in den Kreditkosten: Der Sollzins zeigt nur einen Teil der Wahrheit, der Effektivzinssatz baut auf ihm auf und rechnet die weiteren Kosten des Darlehens ein, Vermittlungskosten, den Auszahlungskurs sowie Zeitpunkt und Art der Tilgungsverrechnung. Deshalb gilt in der Regel:
- Der Effektivzinssatz ist praktisch immer höher als der Sollzins; je mehr Kosten anfallen, desto höher die Differenz.
- Nur der Effektivzinssatz macht Kreditangebote verschiedener Banken miteinander vergleichbar; er muss gesetzlich in jedem Angebot enthalten sein.
- Eine große Differenz zwischen beiden Zinssätzen ist ein Warnsignal: Dann stecken hohe Nebenkosten im Kredit.
Ein Beispiel mit Zahlen: Ein Kredit über 15.000 Euro mit 60 Monaten Laufzeit und 5,0 Prozent Sollzins kostet rund 283 Euro im Monat. Steckt im Angebot ein effektiver Jahreszins von 5,6 Prozent, zahlen Sie über die Laufzeit etwa 230 Euro mehr als der reine Sollzins vermuten lässt, das ist der Preis der Nebenkosten.
Wie wird der Sollzins berechnet und was beeinflusst seine Höhe?
Die Zinsen eines Monats lassen sich einfach berechnen: Restschuld mal Sollzinssatz geteilt durch 12. Bei 10.000 Euro Restschuld und 6 Prozent Sollzins fallen im Monat 50 Euro Zinsen an; der Rest der Rate fließt in die Tilgung. Weil die Restschuld mit jeder Zahlung sinkt, schrumpft der Zinsanteil von Monat zu Monat.
Die Höhe des Sollzinssatzes hängt von mehreren Faktoren ab: dem allgemeinen Zinsniveau (Leitzins der Europäischen Zentralbank), der Kreditart (zweckgebundene Darlehen wie der Autokredit sind günstiger), der Kreditsumme und Laufzeit, beim Sollzins für Baufinanzierungen zusätzlich von Beleihung und Zinsbindung, und darüber hinaus bei vielen Banken von Bonität und finanzieller Situation des Kreditnehmers: Je besser die Bonität, desto günstigere Konditionen erhalten Sie für die Finanzierung.
Warum Banken mit dem Sollzins werben
In der Werbung steht gern der niedrigere Sollzins im Vordergrund, das wirkt attraktiver. Seriös vergleichen lässt sich damit nicht: Die Preisangabenverordnung schreibt deshalb vor, dass jedes Kreditangebot auch den effektiven Jahreszins und ein repräsentatives Beispiel enthalten muss, inklusive des Zwei-Drittel-Zinses, den zwei von drei Kunden tatsächlich erhalten.
Praxis-Tipp: Nutzen Sie den Sollzins für die Kontrolle Ihrer Rate und des Tilgungsplans, den Effektivzinssatz für den Vergleich der tatsächlichen Kosten. Weicht der beworbene vom angebotenen Zinssatz stark ab, liegt das meist an der bonitätsabhängigen Preisgestaltung.


