Vorfälligkeitsentschädigung:der Preis für die vorzeitige Ablösung

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist ein Schadenersatz, den die Bank verlangen darf, wenn Sie einen Kredit mit fester Zinsbindung vorzeitig ablösen.

Vorfälligkeitsentschädigung: flache Illustration eines Kreditvertrags mit Gebühr für vorzeitige Rückzahlung – Kreditriese Glossar

Das Wichtigste in Kürze

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist ein Schadenersatz, den die Bank verlangen darf, wenn Sie einen Kredit mit fester Zinsbindung vorzeitig ablösen. Sie gleicht der Bank die entgangenen Zinsen aus. Bei normalen Ratenkrediten ist die Vorfälligkeitsentschädigung gesetzlich gedeckelt: höchstens 1 Prozent der Restschuld (0,5 Prozent bei unter einem Jahr Restlaufzeit). Bei einer Baufinanzierung kann sie höher ausfallen. Nach zehn Jahren und bei variablen Zinsen dürfen Sie ohne Entschädigung ablösen.

Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Art Schadenersatz, den Sie an die Bank zahlen, wenn Sie einen Kredit vor dem vereinbarten Ende zurückzahlen. Der Gedanke dahinter: Bei einem Kredit mit fester Zinsbindung hat die Bank fest mit Ihren Zinszahlungen über die gesamte Laufzeit kalkuliert. Lösen Sie den Kredit vorzeitig ab, entgehen ihr diese Zinsen. Diesen Zinsschaden gleicht die Vorfälligkeitsentschädigung aus.

Der Schaden der Bank setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Finanzierungsschaden, weil sie das zurückgezahlte Geld nur zu einem niedrigeren Zins wieder anlegen kann, und dem Margenschaden, also dem entgangenen Gewinn aus dem Vertrag. Beides zusammen ergibt die Vorfälligkeitsentschädigung. Sie ist kein Strafgeld, sondern der rechnerische Ausgleich für die vorzeitige Beendigung des Vertrags.

Wann wird die Vorfälligkeitsentschädigung fällig?

Eine Vorfälligkeitsentschädigung wird fällig, wenn Sie einen Kredit mit fester Zinsbindung vor Ablauf dieser Zinsbindung ablösen. Typische Fälle sind:

  • Baufinanzierung ablösen: Sie lösen ein Immobiliendarlehen während der Zinsbindung ab, etwa beim Verkauf der Immobilie oder bei einer Umschuldung.
  • Ratenkredit vorzeitig zurückzahlen: Sie zahlen einen laufenden Ratenkredit mit fester Rate komplett zurück.
  • Autokredit ablösen: Sie lösen einen Autokredit vor dem Ende der Laufzeit ab.

Es gibt aber wichtige Ausnahmen, in denen keine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Bei Krediten mit variablem Zinssatz ist sie unzulässig, weil die Bank ihren Zinsschaden gar nicht sicher berechnen kann. Stattdessen dürfen Sie einen variabel verzinsten Kredit mit einer Frist von drei Monaten kündigen und zurückzahlen. Und bei einer Baufinanzierung gilt: Zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung dürfen Sie mit einer Frist von sechs Monaten ohne Entschädigung ablösen, unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung.

Wie hoch darf die Vorfälligkeitsentschädigung sein?

Bei normalen Verbraucherkrediten hat der Gesetzgeber die Vorfälligkeitsentschädigung gedeckelt. Nach § 502 BGB gilt für Ratenkredite:

  • Restlaufzeit über zwölf Monate: höchstens 1 Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Restschuld.
  • Restlaufzeit unter zwölf Monaten: höchstens 0,5 Prozent der Restschuld.

Bei einem Ratenkredit ist die Vorfälligkeitsentschädigung also überschaubar. Wer 10.000 Euro Restschuld ablöst, zahlt höchstens 100 Euro. Dieser Betrag wird bei einer Umschuldung oft schon durch die Zinsersparnis des neuen, günstigeren Kredits ausgeglichen.

Anders bei der Baufinanzierung: Für Immobiliendarlehen gilt die 1-Prozent-Grenze nicht. Hier berechnet die Bank die tatsächlich entgangenen Zinsen, was bei hohen Restschulden und langer Restlaufzeit einige tausend Euro ausmachen kann. Deshalb lohnt sich vor der Ablösung einer Baufinanzierung immer eine genaue Rechnung.

Wie wird die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet?

Für die Berechnung nutzen die meisten Banken die sogenannte Aktiv-Passiv-Methode. Dabei geht die Bank davon aus, dass sie die vorzeitig zurückgezahlte Summe wieder anlegt, allerdings zum aktuellen, niedrigeren Marktzins. Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem, was die Bank aus Ihrem Vertrag noch an Zinsen erwartet hätte, und dem, was sie durch die Wiederanlage erzielen kann.

In die Berechnung fließen mehrere Faktoren ein: die Höhe der Restschuld, der vereinbarte Zinssatz, die verbleibende Zinsbindung und das aktuelle Zinsniveau. Je höher Ihr alter Zins über dem heutigen Marktzins liegt und je länger die Restlaufzeit, desto höher fällt die Vorfälligkeitsentschädigung aus. Sind die Zinsen dagegen gestiegen, kann die Entschädigung sehr niedrig oder sogar null sein. Verbraucherzentralen und Online-Rechner helfen, die von der Bank verlangte Summe auf ihre Richtigkeit zu prüfen, denn Banken rechnen nicht selten zu hoch.

Vorfälligkeitsentschädigung vermeiden oder senken

Es gibt Wege, die Vorfälligkeitsentschädigung zu umgehen oder zu verringern:

  • Zehn-Jahres-Regel nutzen: Zehn Jahre nach Vollauszahlung einer Baufinanzierung können Sie mit sechs Monaten Frist entschädigungsfrei ablösen.
  • Sondertilgungen einbauen: Viele Verträge erlauben jährliche Sondertilgungen ohne Entschädigung. Damit senken Sie die Restschuld schrittweise.
  • Ratenkredit statt Baukredit: Bei einem normalen Ratenkredit ist die Entschädigung ohnehin auf 1 Prozent gedeckelt und meist gering.
  • Fehler im Vertrag prüfen: Ist die Widerrufsbelehrung oder die Angabe zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung im Vertrag fehlerhaft, kann der Anspruch der Bank entfallen. Eine Prüfung durch die Verbraucherzentrale lohnt sich.

Häufige Fragen zur Vorfälligkeitsentschädigung

Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?
Ein Schadenersatz an die Bank für die vorzeitige Ablösung eines Kredits mit fester Zinsbindung. Sie gleicht die Zinsen aus, die der Bank durch die frühere Rückzahlung entgehen.
Wie hoch darf die Vorfälligkeitsentschädigung sein?
Bei Ratenkrediten höchstens 1 Prozent der Restschuld, bei unter einem Jahr Restlaufzeit 0,5 Prozent. Bei einer Baufinanzierung gibt es keine feste Obergrenze, hier zählt der tatsächlich entgangene Zins.
Wann muss ich keine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen?
Bei Krediten mit variablem Zins, nach zehn Jahren Zinsbindung einer Baufinanzierung (mit sechs Monaten Frist) und wenn der Vertrag Fehler in der Widerrufsbelehrung oder den Pflichtangaben enthält.
Wie wird die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet?
Meist mit der Aktiv-Passiv-Methode. Die Bank vergleicht die entgangenen Vertragszinsen mit dem, was sie bei Wiederanlage zum aktuellen Marktzins erzielt. Restschuld, Zinssatz, Restlaufzeit und Zinsniveau bestimmen die Höhe.
Lohnt sich eine Umschuldung trotz Vorfälligkeitsentschädigung?
Oft ja. Bei einem Ratenkredit ist die Entschädigung mit maximal 1 Prozent gering und wird durch die Zinsersparnis meist ausgeglichen. Bei der Baufinanzierung sollten Sie Ersparnis und Entschädigung genau gegenrechnen.
Kann die Bank zu viel Vorfälligkeitsentschädigung verlangen?
Ja, das kommt vor. Lassen Sie die geforderte Summe mit einem Rechner oder von der Verbraucherzentrale prüfen. Bei fehlerhaften Vertragsangaben kann der Anspruch der Bank sogar ganz entfallen.