Das Wichtigste zum Plusenergiehaus in Kürze
- Ein Plusenergiehaus erzeugt über das Jahr mehr Energie, als es verbraucht – es entsteht ein Plus, das gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist wird.
- Die Mehrkosten gegenüber einem Standard-Neubau liegen je nach Technik bei etwa 10 bis 20 Prozent, schlüsselfertig teils bei 2.900 bis 3.600 Euro pro Quadratmeter.
- Die KfW fördert den klimafreundlichen Neubau mit zinsgünstigen Krediten bis 150.000 Euro je Wohneinheit – ein Plusenergiehaus erfüllt die Anforderungen in der Regel.
- Über eingesparte Energiekosten und die Einspeisevergütung amortisieren sich die Mehrkosten oft innerhalb von 10 bis 20 Jahren.
Was ist ein Plusenergiehaus?
Ein Plusenergiehaus (auch Energieplushaus oder Aktivhaus genannt) ist die Steigerung des Passivhauses: Das Gebäude produziert übers Jahr gerechnet mehr Energie, als seine Bewohner verbrauchen. Möglich macht das die Kombination aus zwei Prinzipien: Erstens minimiert eine hochgedämmte, luftdichte Bauweise den Energiebedarf des Hauses. Zweitens gewinnt das Plusenergiehaus selbst Energie aus erneuerbaren Energien – vor allem über eine großzügige Photovoltaikanlage auf dem Dach, oft ergänzt um einen Batteriespeicher und eine Wärmepumpe.

Diese positive Bilanz ist der entscheidende Unterschied zu anderen Energiestandards: Während ein Passivhaus fast keine Energie mehr braucht, produziert das Plusenergiehaus aktiv einen Überschuss. Diesen Solarstrom speichern Sie im Batteriespeicher für die Nacht oder speisen ihn gegen Vergütung ins öffentliche Netz ein. Das Haus wird so vom Kostenfaktor zum kleinen Kraftwerk – und genau dieser Effekt verändert die Finanzierungsrechnung.
Was kostet ein Plusenergiehaus?
Die Technik hat ihren Preis: Bauherren sollten für ein Plusenergiehaus je nach Ausstattung Mehrkosten von etwa 10 bis 20 Prozent gegenüber einem konventionellen Neubau einplanen; bei schlüsselfertigen Häusern in Fertigbauweise werden häufig 2.900 bis 3.600 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Die wichtigsten Kostentreiber beim Bau:
- Photovoltaikanlage: großzügig dimensioniert, damit unterm Strich ein Energie-Plus steht
- Batteriespeicher: speichert den tagsüber erzeugten Strom für Abend und Nacht
- Wärmepumpe: heizt effizient mit dem eigenen Solarstrom
- Dämmung und Fenster: hochwertige Gebäudehülle wie beim Passivhaus, dazu Lüftung mit Wärmerückgewinnung
- Smarte Steuerung: Energiemanagement, das Erzeugung, Speicher und Verbraucher aufeinander abstimmt
Dem stehen laufende Einnahmen und Einsparungen gegenüber: keine bis minimale Stromrechnung, kaum Heizkosten und die Einspeisevergütung für überschüssigen Strom. In vielen Fällen amortisieren sich die höheren Anfangskosten dadurch innerhalb von 10 bis 20 Jahren – bei weiter steigenden Energiepreisen eher schneller.
Förderung: So unterstützt der Staat das Plusenergiehaus
Ein Plusenergiehaus erfüllt die technischen Anforderungen der staatlichen Förderung praktisch immer, denn es übertrifft die gängigen Effizienzstandards. Die wichtigsten Fördermittel für Bauherren:
- KfW „Klimafreundlicher Neubau” (297/298): zinsgünstige Kredite bis 150.000 € je Wohneinheit für Neubauten, die als klimafreundliches Wohngebäude gelten. Der Antrag läuft über die finanzierende Bank und muss vor Baubeginn gestellt werden.
- Wohneigentum für Familien (KfW 300): Familien mit Kind und begrenztem Einkommen erhalten für den klimafreundlichen Neubau besonders günstige Kredite bis 270.000 Euro.
- Regionale Förderprogramme: Viele Bundesländer und Kommunen bezuschussen Photovoltaik, Batteriespeicher oder Wärmepumpen zusätzlich.
- Einspeisevergütung: Für eingespeisten Solarstrom erhalten Sie eine feste Vergütung nach dem EEG – ein kleiner, aber dauerhafter Einnahmeposten.
Voraussetzung für die KfW-Programme ist die Begleitung durch einen Energieeffizienz-Experten, der die Anforderungen plant und bestätigt. Wie die Förderkredite technisch in die Finanzierung eingebaut werden, erklärt unser Beitrag zur KfW-Förderung.
Vor- und Nachteile des Plusenergiehauses
Wie funktioniert die Entscheidung in der Praxis? Am besten mit einem ehrlichen Blick auf beide Seiten. Die Vorteile: Das Haus deckt Heizung, Warmwasser und Strom weitgehend selbst, macht unabhängig von Energiepreisen, erfüllt jeden aktuellen Standard und bleibt später beim Verkauf attraktiv. Möglichst große Dachflächen nach Süden und eine kompakte Bauform holen das Optimum heraus.
Zu den Nachteilen gehören die höheren Baukosten, der Planungsaufwand und die Technikabhängigkeit: Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe und Lüftungsanlage wollen gewartet werden, und der Batteriespeicher muss nach 15 bis 20 Jahren möglicherweise erneuert werden. Wer diese Posten von Anfang an einkalkuliert, erlebt später keine Überraschungen – und kann die Nachteile gegen die dauerhafte Energie-Rendite abwägen.
Plusenergiehaus finanzieren: die Rechnung mit dem Energieplus
Die Finanzierung eines Plusenergiehauses folgt der klassischen Baufinanzierung – mit einer Besonderheit: Die eingesparten Energiekosten und die Einspeiseerlöse wirken wie eine eingebaute Ratenhilfe. Wer heute 250 bis 400 Euro monatlich für Strom und Heizung zahlt, kann diesen Betrag beim Plusenergiehaus größtenteils in die Kreditrate umleiten. So gehen Sie vor:
- Gesamtkosten kalkulieren: Grundstück, Bau inklusive Technik-Mehrkosten, Nebenkosten und Reserve.
- Eigenkapital einbringen: Ideal sind 20 bis 30 Prozent; mindestens die Nebenkosten sollten aus eigener Tasche kommen.
- KfW-Bausteine integrieren: Förderkredite ersetzen einen Teil des Bankdarlehens und drücken den Gesamtzins.
- Bankdarlehen vergleichen: Für den Rest gilt: mehrere Angebote einholen, Effektivzins und Sondertilgungsrechte vergleichen – die Grundlagen erklärt unser Ratgeber zur Baufinanzierung.
- Energieersparnis einrechnen: Kalkulieren Sie die gesparten Energiekosten konservativ – als Puffer oder für eine höhere Tilgung.
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Lohnt sich das Plusenergiehaus?
Für Bauherren mit langfristigem Horizont meistens ja. Das Plusenergiehaus kostet beim Bau spürbar mehr, dreht aber die laufenden Kosten um: Statt immer höhere Energiepreise zu zahlen, liefert das Haus Energie und Einnahmen. Zusammen mit der Förderung, dem Werterhalt eines zukunftssicheren Hauses und der Unabhängigkeit von Energieversorgern ergibt sich eine solide Gesamtrechnung. Wichtig ist eine ehrliche Kalkulation: Lassen Sie sich die prognostizierte Energiebilanz vom Anbieter belegen und rechnen Sie die Amortisation vorsichtig.
Häufige Fragen zum Plusenergiehaus
Was ist der Unterschied zwischen Plusenergiehaus und Passivhaus?
Das Passivhaus minimiert den Energieverbrauch, braucht aber noch etwas Energie von außen. Das Plusenergiehaus geht weiter: Es erzeugt über das Jahr mehr Energie, als es verbraucht – die Energiebilanz ist positiv.
Wie viel teurer ist ein Plusenergiehaus?
Je nach Technik etwa 10 bis 20 Prozent Mehrkosten gegenüber einem Standard-Neubau; schlüsselfertige Plusenergiehäuser kosten häufig 2.900 bis 3.600 Euro pro Quadratmeter. Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe sind die größten Posten.
Welche Förderung gibt es für ein Plusenergiehaus?
Vor allem die KfW-Kredite 297/298 (Klimafreundlicher Neubau, bis 150.000 Euro je Wohneinheit) und für Familien das Programm Wohneigentum für Familien (bis 270.000 Euro). Dazu kommen regionale Zuschüsse für PV, Speicher und Wärmepumpe sowie die Einspeisevergütung.
Amortisieren sich die Mehrkosten wirklich?
In vielen Fällen ja, typischerweise innerhalb von 10 bis 20 Jahren – über eingesparte Energiekosten und Einspeiseerlöse. Je stärker die Energiepreise steigen, desto schneller rechnet sich das Energieplus.
Kann ich den erzeugten Strom komplett selbst nutzen?
Meist nicht vollständig: Tagsüber erzeugt das Haus mehr, als es verbraucht. Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauch deutlich; der Rest wird gegen Vergütung ins Netz eingespeist.
Finanzieren Banken ein Plusenergiehaus anders als einen normalen Neubau?
Die Prüfung läuft gleich, aber viele Banken bewerten energieeffiziente Gebäude positiv – teils mit kleinen Zinsvorteilen („grüne Baufinanzierung”). Zusammen mit den KfW-Bausteinen ergibt sich oft ein günstigerer Gesamtzins.

