Das Wichtigste in Kürze
- Ein Lombardkredit ist ein kurz- bis mittelfristiger Kredit gegen Pfand: Wertpapiere, Edelmetalle oder andere bewegliche Sachen dienen dem Kreditgeber als Sicherheit.
- Depot beleihen statt verkaufen: Anleger erhalten schnell Liquidität, ohne Kursgewinne zu realisieren oder Steuern auszulösen.
- Die Kredithöhe richtet sich nach dem Beleihungswert: bei Aktien meist 50 bis 70 Prozent, bei Anleihen und Bankguthaben deutlich mehr.
- Hauptrisiko Kursschwankung: Fällt der Wert des Pfands, verlangt die Bank Nachschuss – im Ernstfall verkauft sie die beliehenen Wertpapiere.
Was ist ein Lombardkredit?
Der Lombardkredit ist eine der ältesten Kreditarten überhaupt: ein Darlehen gegen die Verpfändung beweglicher Sachen. Der Begriff Lombardkredit geht auf die Region Lombardei zurück – die Region war namensgebend für den Lombardkredit, denn norditalienische Kaufleute und Geldhäuser haben bereits im Mittelalter, etwa um das Jahr 1400 – Geld gegen Pfandsicherheiten verliehen. Der Lombardkredit ist damit die Urform des Pfandkredits. Das Prinzip ist bis heute gleich: Sie hinterlegen einen Vermögenswert als Pfand, das Kreditinstitut gewährt Ihnen dafür kurzfristig Geld, meist als flexiblen Kreditrahmen. Zahlen Sie den Kredit zurück, erhalten Sie das Pfand unangetastet wieder.
Anders als beim klassischen Ratenkredit spielt Ihre Bonität eine Nebenrolle: Die Sicherheit steckt im Pfand, nicht im Einkommen. Deshalb ist die Beantragung schnell und unkompliziert. Das Kreditinstitut prüft den Wert der Sicherheit, nicht Ihre Gehaltsabrechnungen. Genau das macht den Lombardkredit zur schnellen Finanzierung für alle, die Vermögen besitzen, aber gerade keine Liquidität.
Beim Lombardkredit läuft es so: kurzfristig Geld gegen Pfand
Der typische Ablauf in vier Schritten:
- Pfand anbieten: Sie hinterlegen Wertpapiere, Edelmetalle oder andere werthaltige bewegliche Sachen beim Kreditgeber, bei Wertpapieren genügt die Verpfändung des Depots, physisch bewegt wird nichts.
- Beleihungswert ermitteln: Die Bank bewertet das Pfand mit einem Sicherheitsabschlag. Üblich sind 50 bis 70 Prozent bei Aktien, 70 bis 80 Prozent bei soliden Anleihen, bis 100 Prozent bei Bankguthaben – Kursschwankungen bestimmen den Abschlag.
- Kreditrahmen nutzen: Die Bank gewährt den Lombardkredit auf einem besonderen Kreditkonto – Sie verfügen flexibel über die Kreditsumme, ganz oder in Teilen. Zinsen zahlen Sie nur auf den tatsächlich genutzten Betrag; die Rückzahlung erfolgt nicht in monatlichen Raten, sondern flexibel.
- Zurückzahlen und Pfand auslösen: Theoretisch müssen Kreditnehmer das Geld samt vereinbarten Zinsen erst am Laufzeitende zurückzahlen; ist alles getilgt, ist das Pfand wieder frei. Lassen Sie die Frist verstreichen, verwertet der Kreditgeber die Sicherheit und kann das Pfand liquidieren – mehr als das Pfand kann er aber nicht verlangen.
Jede Art des Lombardkredits im Überblick: von Effekten bis Waren
- Effektenlombardkredit (Wertpapierkredit): die häufigste Art von Lombardkredit – beim Effektenlombardkredit dienen Aktien, Fonds und Anleihen aus dem Depot als Besicherung. Der Lombardkredit für Anleger: liquide bleiben, ohne die verpfändeten Wertpapiere zu verkaufen. Beim Wertpapierkredit nutzen manche die Gelder zur Finanzierung weiterer Wertpapierkäufe – neue Wertpapiere auf Kredit sind aber ein Hebel mit Risiko.
- Warenlombardkredit: Unternehmen beleihen Warenbestände oder Rohstoffe, oft dokumentiert über Lagerscheine oder Konnossemente – klassisch im Handel, für Verbraucher kaum relevant.
- Edelmetalllombardkredit: Gold, Silber oder Münzen als Pfand – auch über spezialisierte Anbieter und Leihhäuser zugänglich.
- Wechsellombardkredit: die historische Form gegen Handelswechsel. Diese Art des Lombardkredits wird heute praktisch nicht mehr genutzt.
- Unechter Lombardkredit: Der unechte Lombardkredit bezieht sich in der Regel auf sicherungsübereignete statt verpfändete Werte – rechtlich ein feiner, praktisch aber wichtiger Unterschied bei der Verwertung (§ 1204 ff. BGB regeln das echte Pfandrecht). Beim unechten Lombardkredit bleibt das Gut teils gar nicht als Sicherheit hinterlegt, sondern nur übereignet.
Zinsen, Gebühren und Konditionen: Was kostet ein Lombardkredit?
Die Zinsen liegen typischerweise zwischen 4 und 9 Prozent pro Jahr – abhängig von Kreditinstitut, Pfandqualität und Marktzins. Dass der Lombardkredit durch das Pfand abgesichert ist, macht die Konditionen oft besser als beim unbesicherten Konsumkredit – wer vergleichsweise viel Geld aufnehmen will, sollte trotzdem auf den Zinssatz achten; Online-Broker bieten Wertpapierkredite teils deutlich günstiger an als Filialbanken. Dazu können Gebühren kommen: Depotverpfändung, Schätzkosten bei Sachwerten, Bereitstellungsgebühren für den Kreditrahmen. Vergleichen Sie Gebühren und Zinsen immer zusammen, und rechnen Sie gegen die Alternative: Ein klassischer Ratenkredit ist bei guter Bonität und längerer Laufzeit häufig die günstigere Kreditform; die Konditionen prüfen Sie im Kreditvergleich.
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Modellrechnung auf Basis eines Annuitätendarlehens mit konstantem Zins. Der tatsächliche Zinssatz hängt von Bonität, Laufzeit und Anbieter ab.
Für welche Verbraucher und Anleger lohnen sich Lombardkredite?
Lombardkredite sind Spezialwerkzeuge – als schnelle und unkomplizierte Finanzierung spielen sie ihre Stärken in diesen Situationen aus:
- Anleger mit Depot: Wer kurzfristig Geld braucht, aber seine Wertpapiere nicht verkaufen will (Steuern, Kurschancen, Langfriststrategie), beleiht das Depot und bleibt investiert.
- Überbrückung: Eine Erbschaft, ein Immobilienverkauf oder ein Bonus steht sicher bevor – der Lombardkredit überbrückt die Wartezeit, ohne Vermögen anzutasten.
- Unternehmer und Selbstständige: Wenn Banken beim Einkommensnachweis zögern, überzeugt das Pfand – die Bonität tritt in den Hintergrund.
- Diskretion: Der Kredit taucht je nach Ausgestaltung nicht als Konsumkredit bei der SCHUFA auf – der Verwendungszweck bleibt frei.
Weniger geeignet ist die Kreditform für unerfahrene Verbraucher ohne nennenswerte Vermögenswerte, und für alle, die eine langfristige Finanzierung suchen: Dafür sind Ratenkredit oder Baufinanzierung gemacht.
Vorteile und Nachteile des Lombardkredits
- + Schnell und unkompliziert: keine ausführliche Bonitätsprüfung – die Kreditsumme ist oft binnen Tagen verfügbar.
- + Vermögen bleibt investiert: keine Verkäufe, keine realisierten Kursgewinne, keine Steuerauslösung.
- + Flexibler Kreditrahmen: Zinsen nur auf den genutzten Betrag, Rückzahlung meist jederzeit möglich.
- + Begrenzte Haftung: Der Kreditgeber kann sich nur am Pfand bedienen.
- – Kursrisiko: Fallen die beliehenen Wertpapiere im Wert, fordert die Bank Nachschuss (Margin Call) oder verkauft im schlechtesten Moment.
- – Beleihungsgrenzen: Sie erhalten nie den vollen Wert des Pfands, bei volatilen Aktien oft nur die Hälfte.
- – Kein Ersatz für Langfrist-Finanzierung: Kurz- bis mittelfristig gedacht; wer Jahre finanziert, fährt mit festen Raten besser.
Lombardkredit vs. andere Kreditarten: der ehrliche Vergleich
Bevor Sie Ihr Depot beleihen, lohnt der Blick auf die Alternativen: Für planbare Anschaffungen ist der Ratenkredit mit festem Zinssatz meist günstiger und stressfreier, kein Nachschussrisiko, klare Rückzahlung. Für sehr kurze Engpässe kann ein Rahmenkredit oder sogar der geordnete Dispo-Einsatz reichen. Und wer regelmäßig Liquiditätsbedarf hat, sollte die Anlagestrategie überdenken statt dauerhaft zu beleihen. Der Lombardkredit glänzt genau dann, wenn Vermögen vorhanden, Verkauf unerwünscht und der Bedarf vorübergehend ist – als Dauerlösung verliert er gegen fast jede andere Kreditart.

